Inhalt

Konstanze hat nichts mehr zu lachen, sie wird von der neuen Stiefmutter Dorabella und ihren Stiefschwestern hin und her geschubst und muss als Aschenputtel fortan neben dem Ofen schlafen. Am Königshof wird beschlossen, dass der junge Prinz Benedikt reich heiraten muss, da das Königreich pleite ist. Ein Ball wird arrangiert zu dem alle reichen Töchter des Landes eingeladen werden. Dorabella wittert die Chance, eine ihrer Töchter unter die königliche Haube zu bringen. Sie will Aschenputtel unter gar keinen Umständen erlauben, auf den Ball zu gehen.
Doch mit Hilfe der Fee Griseldis erscheint Aschenputtel dann doch im Schloss. Der Prinz hat nur noch Augen für sie, doch sie muss fliehen und verliert dabei ihren Schuh. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt und auch in dieser Fassung helfen (nicht nur) die Tauben Aschenputtel, damit sie mit ihrem Märchenprinzen ins Schloss einziehen kann.
Das schwungvolle Familien-Musical ist mit namhaften Darstellern der
Musical-Szene besetzt.

URAUFFÜHRUNG
16. MAI 2014, 19:30 Uhr

DAUER
2 Stunden 10 Minuten (inkl. 20 Minuten Pause)

Mitwirkende

Konstanze (Aschenputtel) Michéle Fichtner
Clemens, Vater Holger Hauer
Dorabella, Stiefmutter Carolin Fortenbacher
Dorette, Stiefschwester Luisa Rhöse
Babette, Stiefschwester Catrin Omlohr
Griseldis, Köchin und Fee Monika Maria Staszak
König Siegfried Thorsten Tinney
Königin Gunhild Barbara Bach
Prinz Benedikt Benedikt Ivo
Graf Gerold von Schwarzeneck Jan Schuba
Johann/ 1. Bauer Tobias Brönner
Jakob/ Pfarrer Christian Kerkhoff
Julius/ Zwerg Arne David
Petronella/ 2. Bauer Katrin Höft
Inge Mirjam Wolf
Donna/ Ballerina Inga Schlimme
Buch Frank-Lorenz Engel
Liedtexte Edith Jeske
Musik Marc Schubring
Regie Holger Hauer
Musikalische Leitung Markus Syperek
Choreographie Bart De Clercq
Bühne Tobias Schunck
Pressestimmen
That's musical, Dominik Lapp: Überraschend gut: "Aschenputtel" in Hanau

Es ist doch immer wieder schön, sich im Theater überraschen zu lassen. Bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau heißt die Überraschung der Saison 2014 "Aschenputtel". Wer bei dem Titel an ein einfaches Kindermusical denkt, wird in Hanau eines Besseren belehrt. Was Regisseur Holger Hauer, Choreograf Bart De Clercq und die starke Darstellerriege zu der herrlichen Musik von Marc Schubring auf die Bühne des Amphitheaters gezaubert haben, ist kein kitschiges oder angestaubtes Märchen, sondern ein sehenswertes Musical mit Niveau und Anspruch.Das Musical (Buch: Frank-Lorenz Engel) erzählt das altbekannte Märchen der Brüder Grimm leicht modifiziert: Das Aschenputtel trägt hier den Namen Konstanze und wird von ihrer Stiefmutter Dorabella und den sächselnden Stiefschwestern Dorette und Babette gedemütigt, während Vater Clemens auf Geschäftsreise ist. Das Königreich von König Siegfried und Königin Gunhild hingegen ist pleite, weshalb der König seinen Sohn, Prinz Benedikt, mit einer reichen bürgerlichen Frau verheiraten will. Letzten Endes kommt es wie aus dem Märchen bekannt: Der Prinz verliebt sich in Konstanze, die sich -ohne Erlaubnis der Stiefmutter -maskiert auf den königlichen Ball eingeschlichen hat und fliehen muss, als sie der König auffordert, die Maske abzunehmen. Dabei verliert sie ihren Schuh und Prinz Benedikt macht sich auf die Suche, den richtigen Fuß zum Schuh zu finden.Die Geschichte hat Marc Schubring in wunderschöne Melodien verpackt, die großes Ohrwurmpotenzial haben. Wenn auch die Musik leidernicht live gespielt wird, sondern aus der Konserve kommt, ist Schubrings kompositorische Qualität bei seinem neuesten Werk nicht von der Hand zu weisen: Stimmige Ensemblenummern wechseln sich ab mit eingängigen Popballaden und Duetten. Auch die schnörkellosen Gesangstexte von Edith Jeske können sich hören lassen und passen perfekt zu Schubrings Komposition. Doch ist es auch die Inszenierung von Holger Hauer, die "Aschenputtel" so erlebenswert macht.Hauers Handschrift spiegelt sich besonders in der Personenregie, den stark gezeichneten Charakteren und dem perfekten komödiantischen Timing wider. Vor allem aber hat er dem Stück keinen Märchen-Stempel aufgedrückt, sondern die Geschichte ernsthaft und atmosphärisch dicht in Szene gesetzt. Auch witzige Szenen gibt es reichlich, doch Hauer lässt seine Schützlinge auf der Bühne dabei nie ins Alberne abdriften. Hervorragend unterstützt wird die Inszenierung durch die von Bart De Clercq stimmig-flott choreografierten Tanzszenen.Eine schöne Atmosphäre entsteht im Hanauer Amphitheater, weil der Zeltaufbau, der Zuschauerraum und Bühne überspannt, an den Seiten offen ist und somit ein laues Sommerlüftchen hineinlässt sowie den Blick auf den Park von Schloss Philippsruhe freigibt. In diese Kulisse fügt sich das Bühnenbild hervorragend ein. Eine Drehbühne ermöglicht zudem schnelle Szenenwechsel zwischen großer Ballsaaltreppe, einem Wald oder Aschenputtels Zuhause. Die hübsch anzusehenden Kostüme verstärken dabei den visuell hochwertigen Charakter des Stücks.Mit einem kleinen inszenatorischen Kniff, wie man ihn ähnlich aus dem "König der Löwen" kennt, wird eine Szene ganz zauberhaft aufgewertet: Damit es beim Sortieren der Linsen mit den „guten ins Töpfchen und den schlechten ins Kröpfchen“ schneller geht, bekommt Aschenputtel Hilfe von Tauben, die von Darstellern mittels Lenkstangen gesteuert werden und immer wieder zur Erheiterung des Publikums beitragen, wenn sie sich im Tiefflug über den Köpfen der Zuschauer befinden.Neben all den gelungenen akustischen und visuellenEindrücken enttäuscht auch die Darstellerriege nicht. In der Titelrolle begeistert Michèle Fichtner mit glockenklarem Gesang, der unter die Haut geht. Schauspielerisch nimmt man ihr die liebenswürdige Konstanze, die ihr Dasein als Aschenputtel fristet, ebenfalls ab. Neben seiner Verantwortung als Regisseur gibt Holger Hauer Konstanzes Vater Clemens, der nur zu Beginn des Stücks und am Ende zu sehen ist, mit solidem Schauspiel und wohltönender Stimme.Monika Maria Staszak führt in der Rolle der Köchin Griseldis, die sich außerdem als gute Fee entpuppt, durch die Geschichte. Als Köchin ist sie Konstanzes einzige Bezugsperson, als Fee hilft sie ihr, den königlichen Ball zu besuchen und als Erzählerin treibt sie die Handlung voran, was ihr schauspielerisch wiegesanglich perfekt gelingt. Als Prinz Benedikt macht Dennis Dobrowolski, der in der besuchten Vorstellung den erkrankten Benedikt Ivo vertritt, eine gute Figur und gibt den von seinen Eltern genervten Prinzen mit überzeugender Leichtigkeit.Star der Inszenierung ist jedoch definitiv Carolin Fortenbacher, die als böse Stiefmutter Dorabella nicht nur herrlich fies ist, sondern auch ihre komödiantische Seite bestens ausspielt. Ihr zur Seite stehen Catrin Omlohr als Babette und in der besuchten Vorstellung Janina Steinwender als Dorette, die aufgrund des sächselnden Dialekts die Lacher des Abends auf ihrer Seite haben. Schauspielerisch absolut souverän agieren auch Thorsten Tinney als König Siegfried und Barbara Bach als Königin Gunhild sowie Jan Schuba als Graf Gerold von Schwarzeneck.Zum Schluss steht das Publikum und bejubelt die Darsteller eines rundum gelungenen Musicals, das nun hoffentlich noch auf vielen weiteren Bühnen zu sehen sein wird. Dass man ein altbekanntes Märchen auf völlig neue Art und Weise witzig und frech erzählen kann, wurde mit "Aschenputtel" bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau eindrucksvoll bewiesen. Bitte mehr davon!

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